10 Tipps bei Strahlfäule

Strahlfäule, eine Erkrankung des Hufes beim Pferd, ist besonders im Frühjahr und Herbst zu beobachten, da feuchte klimatische Verhältnisse die Entstehungswahrscheinlichkeit begünstigen. Was ist zu tun?  Welche Mittel gibt es zu Behandlung von Strahlfäule? Der folgende Artikel enthält Tipps zur Prophylaxe und Behandlung von Strahlfäule und beinhaltet NICHT die Bewertung der zum Kauf angebotenen, diversen am Markt vorhandenen Mittel(-chen), wobei diese durchaus wirksam sein können.

Als wirksames (fungizid, bakterizid, adstringierend durch die Wirkstoffe Chloroxylenol und Alcloxa) und kostengünstiges Mittel sei das Folgende empfohlen:

Tipp 1: Diagnose

Die erste Diagnose der Strahlfäule sollte immer von fachkundiger Seite erfolgen. Tierärzte, Hufschmiede oder Tierheilpraktiker sind Ansprechpartner erster Wahl. Dies ist sehr wichtig, da ansonsten die eingeschlagenen und hier unter anderem beschriebenen Therapieformen wirkungslos bleiben.

Tipp 2: Hygiene

Das A und O bei Strahlfäule ist das penible Reinigen der Box und des Hufes. Die Box und der Huf sollten möglichst trocken gehalten werden. Die betroffenen Stellen des Hufes sind zudem auch nicht zu verschließen, da es sich bei den auslösenden Bakterien um anaerobe Arten handelt, die sich nur unter Luftausschluss ( Abwesenheit von Sauerstoff) weiter vermehren. Außerdem sollte der Auslauf im Auge behalten werden. Ist dieser auch möglichst trocken und nicht mit Ausscheidungen der Pferde verunreinigt?

Tipp 3: Immunsystem

Fragst Du Dich, warum ist gerade mein Pferd an Strahlfäule erkrankt? Natürlich gibt es eine genetische Disposition, aber oftmals ist die Ursache auch beim Pferd selbst zu finden. Neben der im vorherigen Tipp beschriebenen Hygiene ist ein wichtiger Punkt das Immunsystem des Pferdes. Wir sprechen hier über mögliche Ursachen, denn Ursachenvermeidung reduziert das tatsächliche Auslösen der Strahlfäule. Stress kann durch mehrere Faktoren hervorgerufen werden. Hier sei auf die Form der Haltung, Probleme mit Artgenossen aber auch beim Umgang des Menschen mit dem Pferd hingewiesen.

Tipp 4: Propolis

Das Kittharz der Bienen, das steckt nämlich hinter dem Begriff Propolis, ist ein natürliches Produkt, welches u.a. auch zur Behandlung von Strahlfäule eingesetzt werden kann. Das Mittel wirkt antibakteriell, antimykotisch und sogar virostatisch. In einem Bienenstock ist es aufgrund der Wärme für die Bienen überlebenswichtig, dass möglichst alle Krankheitserreger sofort abgetötet werden, da sie sich sonst rasant vermehren würden. Die Wirkstoffe sind hier u.a. Pinocembrin und Galangin. Das Produkt kann über Imker oder aus dem Internet als bezogen werden. Bei Strahlfäule ist die alkoholische Lösung vorzuziehen, da durch den Alkohol eine zusätzliche desinfizierende Wirkung gegeben ist und natürlich ein flüssiges Produkt sehr gut aufgebracht werden kann. Propolis ist ein Geheimtipp auch für zahlreiche andere Erkrankungen (bspw. bei Mauke). Ein näheres Betrachten des multifunktionalen Propolis lohnt sich für jeden Pferdebesitzer.

Tipp 5: Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid wird klassisch als Bleichmittel bspw. Bei der Papierherstellung oder beim Haare bleichen /blondieren, aber auch als Inhaltstoff von Mundspülungen eingesetzt. Es hat eine desinfizierende, zytotoxisch bakterizide und fungizide Wirkung. Die Lösung wird direkt auf die betroffenen Areale aufgebracht. Wasserstoffperoxid ist in Apotheken erhältlich.

Tipp 6: Jodoformäther

Jodoformäther (Iodoformäther) ist heute nur noch schwer zu beziehen, wird aber sehr häufig als wirksames Mittel gegen Strahlfäule in 10%-Lösung  genannt. Es wurde früher in der Dentalmedizin (Mensch) zur Wunddesinfektion eingesetzt. Gleichzeitig hat es eine austrocknende, schmerzstillende und blutungsmindernde (bei Strahlfäule weniger relevante) Wirkung.

Tipp 7: Kupfersulfat

Die desinfizierende Wirkung von Kupfersulfat, welches direkt auf den befallenen Herd aufgetragen wird, erklärt sich durch die Denaturierung von Proteinen, was zur Abtötung der Bakterien führt. Weiterhin wird es als Trocknungsmittel eingesetzt und fand im Weinbau als Pflanzenschutzmittel Anwendung.Bei Schafen wir Kupfersulfat zur Behandlung von Moderhinke (bakterielle Klauenerkrankung) eingesetzt.  Kupfersulfat kann u.a. in jeder Apotheke rezeptfrei gekauft werden.

Tipp 8: Homöopathie

Auch aus der Homöopathie werden verschiedene wirksame Mittel genannt, welche meist in Form von Globuli dem Pferde verabreicht werden. Globuli bestehen neben dem in potenzierter Form aufgebrachten Wirkstoff aus Milchzucker und werden deshalb natürlich gern vom Pferd akzeptiert. Die Wahl des unten stehenden Mittels und der ausgewählten  Potenz sollte man dabei einem erfahrenen Tierheilpraktiker überlassen.

Als Mittel der Wahl werden Kreosotum, Graphites, Lachesis Mercurius und Hepar sulfuris genannt. Steingassner nennt Malandrinum sowie Tuberculinum avirae.

Tipp 9: Strahl-Vital

Über einige Tierärzte wird strahl-vital vertrieben, welches nach durchweg positiver Resonanz durch Kunden hier besondere Erwähnung findet. Das Pulver besitzt verschiedene, hochwirksame Inhaltsstoffe, welche bakterizid und austrocknend wirken und somit der Ausbreitung der Bakterien Einhalt gebieten. Für die Nennung der Bezugswege bitte kurze Mail.

Tipp 10: Zahnpasta

Die Nutzung von Zahnpasta zur Bekämpfung von Strahlfäule klingt zunächst einmal sehr zweifelhaft. Vorab folgender Hinweis: Es sollten damit nur sehr leichte Formen der Strahlfäule behandelt werden und auch nur dann, wenn der Herd der Strahlfäule auch gut zugänglich ist. Eine nähere Betrachtung der Wirkstoffe in Zahnpasta erklärt die Wirkweise. Das enthaltene Triclosan und Zinksalze wirken bakterizid.  Als Hausmittel gegen Pickel ist Zahnpasta auch bekannt.  Hier ist der Hintergrund, dass Zahnpasta  durch den Wirkstoff Natriumdodecylphosphat Öle und Fette entzieht und somit austrocknend wirkt. Verwendung finden sollte nur herkömmliche Zahnpasta und keine Gels.

13 Gedanken zu „10 Tipps bei Strahlfäule“

  1. Hallo,
    tolle Tips Danke !
    Mein Hufpfleger hat mir jetzt noch erklärt, das die Bakterien welche für Strahlfäule verantwortlich sind, sich ein basisches Milieu schaffen und somit keine Säure mögen.
    Deshalb hat er mir etwas ganz einfaches und auch sehr günstiges empfohlen.
    Ich sollte Zitronensaft kaufen und drauf machen.
    Hab ich gemacht, und es prima geholfen !
    Eine Anwendung und am nächsten Tag war der ganze Spuck eingedämmt !
    Es gibt den in so kleinen Zitronenförmigen Kunststoffbehältern, dieser lässt sich am besten anwenden. Und kostet weniger als ein €.
    Der Hufpfleger kommt natürlich trotzdem bald, um den Huf in einen guten Zustand zu bringen.

  2. Hallo Daniela,

    den Tipp kannte ich noch nicht. Danke dafür.
    Die Verwendung ist aber sehr gut nachvollziehbar, da die Zitronen desinfizierend wirken und auch bei brüchigen Nägeln beim Menschen (Analogie zum Huf des Pferdes) eingesetzt werden.

    VG
    Markus

  3. hallo,

    wer hat Erfahrungen mit PROPOLIS – GLOBULIS ?
    welche Potenz ? wie dosieren ?
    Habe bis jetzt immer Propolistinktur verwendet möchte aber lieber zu Globulis wechseln.
    lieben gruss
    karin

  4. Hallo!

    Vielen Dank für Die ausführlich beschriebenen, großartigen Tipps.
    Unser dreijähriges Pony, das wir vor wenigen Monaten übernommen haben und eigentlich verwurstet werden sollte, leidet aufgrund von Vernachlässigung der Vorbesitzer und schlechter Haltung unter noch nicht dramatischer, aber recht übler Strahlfäule. Der Hufpfleger kommt regelmäßig und wir tragen seit einiger Zeit PVP-Jod auf. Dennoch erscheint mir der Tipp mit dem Kupfersulfat sehr ausprobierenswert. Ebenso finde Danielas Zitronentipp plausibel und interessant. Von Zahnpasta habe ich auch schon gehört, jedoch stelle ich mir das in der Anwedung recht klebrig vor.

    Hast Du einen Tipp gegen brüchige Hufwände? Von Huffett wird ja eher abgeraten.

    Liebe Grüße,
    Katharina

  5. Hallo Katharina,

    brüchige Hufwände sind ein Thema für sich. Auch hier muss nach der Ursache geforscht werden (Ernährung, Vorerkrankung, Stallhygiene etc.).

    Richtig ist, dass Huffett/ -salbe nicht geeignet ist. Besser ist die Verwendung spezieller Hufgele (ohne Fette). Ansonsten gibt es auch Kräuter, Vitamine etc., die ergänzend verabreicht werden können.

    Wäre ein spannendes Thema für eine separaten Artikel…

    Viele Grüße
    Markus

  6. Hallo Katharina,
    wie verteilst du denn die Zahncreme beim Putzen deiner Zähne? Ist das auch eine klebrige/schmierige Angelegenheit? Kannst ja mal ein Foto schicken, vielleicht ist das ja richtig lustig.
    Wenn du eine Zahnbürste verwenden würdest, dann kannst du es bei der Behandlung der Hufstrahle ziemlich genau so machen: Zahnpasta auf eine (alte) Zahnbürste geben und Achtung (!) jetzt nicht damit in den Mund, sondern die Hufstrahle einschmieren, kannst glauben es geht hervorragend. Die Zahnbürste nachher ausspühlen; man kann die auch nächsten Tag wieder nutzen!

  7. Ein richtig guter Tipp meines Hufschmieds ist es, das Kupfersulfat-Pulver mit billiger Zahncreme zu mischen und dann die Masse dünn in die Strahlfurchen zu schmieren. Klappt wunderbar! Somit kann das Kupfersulfat-Pulver nicht rausfallen. Achtung: Einmalhandschuhe anziehen, das Pulver ist nicht gesund.

  8. Auch Essig auf Wattepads in der Strahlfurche ist recht wirksam…..
    Ich gebe meinen Kunden immer verschiedene Mittel an die Hand und empfehle den ständigen Wechsel, da einige Bakterien und Pilze sehr anpassungsfähig sind und wenn ich mit dem einen Mittel eine Art ausrotte, verstärken sich die Anderen….und es ist eben oft ein schönes buntes Völkchen an Bakterien und Pilzen das sich da eingenistet hat….
    Darum immer schön wechseln….
    Mal Jod, mal Wasserstoffperoxid, dann Zitronensaft, Essig, Propolis wie gesagt dünnflüssig, Schwefel, Alkohol…. usw….auch Salz hilft und ich hab da noch duzend anderes ….. und möglichst soviel befallenes Gewebe weg bei der Hufpflege wie geht, den was am besten Hilft ist Luft…..und ich komm dann oft in chronischen Fällen am Anfang jede Woche um das wuchernde Gewebe, womit der Pilz versucht sich ein schönes luftdichtes Nest zu bauen vorsichtig zu entfernen…. und Sauberkeit ist das A und O….kein Urin, kein Kot….was bei Boxenpferden, die die ganze Nacht in ihrem eigenen Klo stehen echt schwierig ist….somit ganz wichtig saubere, trockene Offenställe mit genügend Platz, damit sie den Dunghaufen aus dem Weg gehen können, was sie auch machen, wenn sie nicht gezwungen sind reinzutreten….
    So sind schon Strahlfäulen ausgeheilt, die schon die Knochen befallen hatten und wo vom Ballen- und Strahlkissen nichts mehr da war als ich sie zur Hufpflege übernommen habe….
    Und dran denken, nicht die äußeren Strahlfurchen sind der Herd, da ist es erst wenn es sich von der mittleren schon nach außen durchgefressen hat….meist sitzt es in der mittleren…..gut zu erkennen, wenn immer zwischen den Ballen so komisches schorfiges Gewebe ist, das sich in ganz schlimmen Fällen auch bis über den Haaransatz in die Fesselbeuge zieht…..

  9. Ach noch was, nicht zu früh aufgeben, es ist ein Kampf der in schlimmen Fällen schon ein Jahr und länger gedauert hat, bis wirklich alles ausgeheilt ist und auch nicht wieder gekommen ist….
    Wirklich ausgeheilt ist es, wenn die mittlere Strahlfurche wieder eine kleine Vertiefung ist und keine Kraterlandschaft mehr……

  10. Toller Bericht! Vielen Dank.
    Man ist immer so unschlüssig was, wie und wo und hier ist alles aufgezählt und erklärt, das gibt einem Sicherheit.

    Bei uns hat es zusätzlich gut geholfen unsere Stute in den akuten Phasen auf Späne umzustellen, da das Ammoniak besser aufgesogen wird.

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